
In seinem Bikefilm „Builder“, in den Filmemacher Scott Secco über 100 Drehtage investiert hat, soll gezeigt werden wie viel Arbeit im Bau von Trails steckt. Es soll also nicht nur die Action auf genialen Trails gezeigt werden, sondern auch deren Entstehungsprozess. Dafür reiste Scott über 10.000 Kilometer mit dem Auto und über 20.000 mit dem Flugzeug um Bikeprofis zu besuchen und sie an ihrem Homespot bei der Entstehung und Befahrung von spektakulären Trails zu Filmen. Mit dabei sind Matt Macduff, Darren Berrecloth, Cam Zink, Geoff Gulevich, Garett Buehler, James Doerfling und viele mehr. Viel Spaß bei Fotostory und Interview:
Wann war das letzte Mal, dass ihr bewusst über Trails nachgedacht habt? Also nicht „Welchen Trail soll ich fahren?“, sondern eher „Wer hat diesen Trail eigentlich gebaut?“ oder „Wieso ist der Trail so angelegt?“ Das soll nicht heißen dass Mountainbiker undankbar sind, aber es wird oft nicht darüber nachgedacht welche Arbeit in das Anlegen und die Pflege der Trails gesteckt wird, die wir lieben.
Trails bauen sich nicht von allein. Es können Tage, Wochen oder sogar Jahre der Arbeit in den Trails stecken, auf denen wir nach Feierabend mächtig Spaß haben. Der Film „Builder“ erzählt die Geschichte des Trailbaus und zeigt warum er so wichtig ist und wie er unseren Sport prägt.
Beim Dreh eines normalen Bikefilms wird von den Fahrern erwartet, dass ihre Stunts und Trail schon fertig sind, für „Builder“ lief das Ganze etwas anders. Es sollte festgehalten werden, was es braucht, um eine Line zu bauen, die eines Film-Segments würdig ist: Die Quälereien und Erfolge, die unfertigen Arbeiten während des Baus sollen deutlich werden.
Die erste große Reise für „Builder“ führte Scott nach Nelson in Britisch-Columbia, wo Garett Buehler und Alex Volokhov schon sechs Wochen damit verbrachten, einen Trail in den Lehm eines alten Zedernwaldes zu zimmern. Der Trail zeigt wie Mountainbiken für die beiden aussehen soll: die Sprünge sind riesig und die Kurven sind schön zu surfen. In den Wäldern von Nelson finden sich schon einige krasse Stunts von Leuten wie Riley McIntosh, Robbie Bourdon, und Sam Brown. Bühlers Trail wird sich perfekt in diese Sammlung einreihen.
Von Nelson ging es nach Williams Lake, BC, zu James Doerfling. Doerflings Fahrstil ähnelt irgendwie Big Mountain Skiing – Erstbefahrungen vor dem Frühstück sind für ihn kein Problem. Diese Lines sehen spektakulär, aber sie sind nicht alles, was Williams Lake zu bieten hat und Doerfling verbringt auch Großteil seiner Zeit auf ganz anderen Trails. In den Bergen in der Nähe der Stadt verstecken sich auch einige große Gaps und High-Speed Trails, die Doerfling mit Schaufel und Pickel angelegt hat. Die Konstruktionen die er für „Builder“ gebaut hat sind groß und stämmig, wer hätte mit etwas anderem gerechnet.
Die Freeride-Geschichte ist untrennbar mit British Columbia verbunden – dicke Sprünge und Trails durchziehen die ganze Provinz. Von verrückten Holzkonstruktionen an Vancouvers North Shore bis zu den maschinengebauten Trails im Whistler Mountain Bike Park – hier gibt es Orte, die die Entwicklung von Mountainbikes geprägt haben. Aber Mountainbiken ist ein globaler Sport und Trails sind überall zu finden. Ohne Trails gäbe es kein Mountainbiken – sie sind das, was uns über die Disziplinen und Laufradgrößen hinweg verbindet. „Builder“ ist eine Hommage an alle Trail-Builder da draußen. Vielen Dank für die harte Arbeit.
Interview Scott Secco
MTB-News: Was war die Inspiration für das Builder-Filmprojekt?
Scott Secco: Builder war nicht wirklich meine Idee. Ursprünglich wollte ich mit Julian Coffey von Pinkbike einen kurzen Film über den Sommer 2014 machen. Julian hat mir gesagt, dass er und Ryan Berrecloth gerne einen Film über Trail-Building produzieren wollten und fragte, ob ich Interesse hätte. Ich habe schon Sprünge und Trails gebaut, seit ich mit dem Mountainbiken angefangen habe. Daher war ich von der Idee sofort begeistert. Ich denke, Trail-Building ist entscheidend für den Mountainbike-Sport, wir können uns nicht so auf die Natur verlassen wie beispielsweise Skifahrer beim Schnee, und Surfer mit den Wellen. Wenn niemand Trails baut, haben wir nichts zum Fahren. „Builder“ ist durch die motivierten Trail-Builder auf der ganzen Welt inspiriert: vielen Dank!
Mountainbiker wollen meistens epische Action sehen. Wie schaffst du es, den Bauprozess spannend darzustellen?
Jeder der schon mal an einem Trail mitgebaut hat weiß, dass es extrem anstrengend ist und viele Stunden harter Arbeit investiert werden müssen. Es macht natürlich auch eine Menge Spaß. Trailbau ist wie Kunst und ich habe versucht die Vision, die Mühe und die Schönheit, die in jeder Line steckt im Film darzustellen. Jedes Segment zeigt den wie der Fahrer den Trail baut, gefolgt von ordentlich Action auf der Strecke. Ohne Fahren hat der Bau ja auch keinen Sinn.
Einen Action-Clip auf einem fertigen Spot zu drehen dauert ein paar Tage, während die Aufnahme des gesamten Bauprozesses mit Sicherheit viel mehr Zeit erfordert. Wie haben Zeit und Geld hat das gesamte Projekt gekostet und hast du vorher alles richtig kalkuliert?
Ich hatte Glück, Ryan und Julian haben mir bei diesem Prozess sehr geholfen. Sie haben das Budget verwaltet und mir mit der Terminplanung geholfen. Da dies mein erster Film ist war alles nicht ganz einfach. Ich lebe in British Columbia und ich konnte die Kosten niedrig halten, da ich zu den meisten Fahrern einfach mit dem Auto fahren konnte. Wenn alles perfekt lief, konnte ich einen Athleten für eine Woche besuchen und das ganze Material für das Filmsegment filmen. Aber das hat natürlich nicht immer geklappt. Für Garett Bühlers Segment musste ich insgesamt vier Mal nach Nelson fahren. Aber es hat sich gelohnt!
Womit hast du nicht gerechnet?
Der schwierigste Teil der Dreharbeiten bei jedem Film, und vor allem bei einem Bike-Film, ist das Wetter. Ich habe an sonnigen Tagen viele Stunden damit verbracht, auf Wolken zu hoffen. Im Wald gelingen die besten Aufnahmen wenn es bewölkt oder neblig ist, da das Wetter für eine tolle Atmosphäre sorgt. Während der Dreharbeiten ging meine Kamera zwei Mal kaputt: ein Mal durch Regen und ein weiteren Mal als sie mitsamt dem Stativ umgefallen ist. Es gibt immer Momente die man nicht eingeplant hat, aber man muss das Beste daraus machen. Ich habe gelernt, viel vorsichtiger mit meiner Kamera umzugehen …
Was war der unvergesslichste Moment? (Im positiven Sinne)
Der Höhepunkt des Films war es, wie die Athleten Momente von Angst und Zweifel überwanden, um die größten Sprünge auf ihren neu angelegten Strecken zu meistern. Ich habe gesehen wie Fahrer Tricks gelandet sind, die sie noch nie zuvor geschafft haben und das ist immer ein besonders schöner Moment. Egal ob der Fahrer 12 oder 42 ist, es ist immer ein tolles Gefühl, wenn man etwas geschafft hat wovor man vorher etwas Angst hatte. Das war wirklich cool.
Du näherst dich langsam der Ziellinie eines Filmprojektes, das etwas wie ein Marathon wirkt. Gibt es etwas das du bereust? Oder etwas was du im Nachhinein lieber anders gemacht hättest?
Es gibt immer Dinge, die ich lieber anders gemacht hätte. Beim Filmen bin ich ein Perfektionist und so fühle ich mich ständig, als hätte ich noch etwas kreativer sein können oder den Moment noch besser einfangen können. Aber ich habe mittlerweile erkannt, dass man zu einem bestimmten Zeitpunkt einfach nur sein bestes geben kann und es reine Zeitverschwendung ist im Nachhinein an sich zu zweifeln. Wenn man immer versucht alles vollkommen perfekt zu machen, würde man es vermutlich nie schaffen einen Film pünktlich zu veröffentlichen.
Vielleicht noch eine kurze Zusammenfassung der Fakten zum Abschluss:
– Anzahl der Drehtage:
über 100
– Anzahl der zurückgelegten Kilometer:
15.000 im Auto
20.000 im Flugzeug
– Anzahl der verschiedenen Spots:
In Kanada: Vancouver, Victoria, Port Renfrew, Nanaimo, Qualicum, Squamish, Whistler, Retallack, Nelson und Williams Lake in British Columbia + Brookfield in Nova Scotia. In USA: Reno, Nevada; Laguna, Kalifornien und Newark, New Jersey
– Anzahl der Fahrer:
18, darunter: Matt Macduff, Darren Berrecloth, Ryan Berrecloth, Cam Zink, Geoff Gulevich, Garett Buehler, James Doerfling, Mark Matthews, Aaron Chase, Adam Hauck, Brian Lopes, Chris Kovarik, Mike Kinrade, Seth Sherlock, Jackson Goldstone, Peter Matthews, Stephen Matthews, und Alex Volokhov
– Zahl der Menschen die am Bau der Spots beteiligt waren:
Zu viele, um sie hier aufzulisten, aber ein besonderer Dank an alle Fahrer, sowie Bill McLane, Paddy Kaye und Joyride Crew Matt Barett und das Retallack Team, Jay Leil und Ted Tempany.
– Länge des Clips (oder Datenvolumen in Terabyte):
Circa 50 Minuten für den endgültig fertigen Film. 3 TB Gesamtmaterial.
Dein Fazit?
„Builder“ ist das längste und anspruchsvollste Projekt an dem ich bisher gearbeitet habe. Es ist mein erster Film und ich habe dabei mehr über das Filmemachen gelernt als in irgendeinem Workshop oder Buch. Es gab auch frustrierende und stressige Momente gewesen und es war schwer wenn nicht alles nach Plan gelaufen ist. Allerdings hatte ich bei der Arbeit auch den meisten Spaß den ich je beim Filmen hatte. Es war ein tolles Erlebnis, einige der besten Fahrer zu treffen, mit ihnen den Film zu drehen und gemeinsam zu arbeiten. Alle Beteiligten wollten den bestmöglichen Bike-Film drehen und die Leute, die sich um den Bau der Strecken kümmern, hervorheben. Ich hoffe wirklich, dass euch der Film gefällt und euch dazu inspiriert euren eigenen Traum-Trail zu bauen.


BUILDER – Official Trailer – Scott Secco [HD]
Builder – Scott Secco auf iTunes
Der Beitrag Builder: Bikefilm über die Entstehung von Trails [Interview + Fotostory] ist auf MTB-News.de erschienen.