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E-Enduro: Mountainbike-Rennen mit Spannung? Ein Kommentar

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Die Sportfreunde in UK haben für 2016 mit einer kleinen Klassenerweiterung einige neue Möglichkeiten gefunden, um bei Enduroevents noch intensiver über unerlaubte/unentdeckte Mogeleien zu diskutieren. Si Paton* will eine E-Bike-(vermutlich richtiger eine Pedelec-) Klasse in seiner Enduroserie einführen. Ein Gastbeitrag von Uwe Buchholz.

Ich denke, solche Klassen tun dem Klima nicht helfen, nein, sie tun ihm nicht gut.

Mehr noch: Ich denke solche Klassen brauchen nicht nur klare Regeln, sondern auch wirksame Kontrollmechanismen. Der ganze Pedelec-Hype lebt ja vom blinden Vertrauen darin, dass sich draußen im Wald alle an die max. 250W Nennleistung halten wollen. Aber ohne eine Strafbewährung/-androhung und ein Instrumentarium, die Regeleinhaltung zu prüfen, braucht man keine solche Regel einführen. Getunte Mofas jagt die Polizei, sollen die Freunde und Helfer bald noch im Wald Stichproben nehmen und Haftpflichtkennzeichen für 45 km/h-Pedelecs und Egokits durchsetzen… Maßnahmen zur Regelüberwachung sind heute schon, auch ohne Motorpower, vonnöten. Viele Rennveranstalter sind aber schon am Limit und können viele Mogeleien nicht eindämmen.

Checks wie im E-motorisierten RC-Rennsport (ferngesteuerte E-Modellautos) fordern Manche sofort. Ich kann dazu wenig sagen, obwohl ich mir schon solche Rennen angesehen habe und über perfekte Vollladestrategien, über Voltmeter und Lötkolben gestaunt habe. Aber vermutlich ist es genau richtig deren Kontrollerfahrung anzuzapfen. Und es ist einer der wichtigsten Gründe warum ich derartige Mischevents ablehne: es braucht Freaks um Freaks zu verstehen, zu unterhalten und im Zaum zu halten. Die einen wollen Rad fahren und die anderen wollen über ihre Extra Energy fabulieren und damit rumfahren. Für letztere werden bei Extraevents extra Lösungen gefunden werden. Vollverkabelte Fahrerlager mit stabiler 220V Spannung. Zwischendepots für Zweitakkus mit für Gefahrgut ausgebildetem Feuerwehrmann, Software-Checks beim der Anmeldung und stichprobenartig Unterwegs und technische Hardware-Überprüfungen, Protestfristen und Personal vom Bund Deutscher Pedelecer, die Bosch, Yamaha, alle anderen und sogar Eigenbaumotoren neutral und expertengerecht in der halben Stunde zwischen letzter Zieldurchfahrt und Siegerehrung zerlegen können, um die Wicklungen zu zählen. Und bei falschen Alarm auch schnell wieder zusammen bringen.

Übertreibe ich? Mag sein, aber sich keine Gedanken darum zu machen ist eben auch untertrieben. Ich plädiere dafür, dass wir Events für Radfahrer nicht damit belasten. Beim Sportklettern gibt es auch keine Seilwindenklasse und beim Segeln braucht keiner Hilfsmotoren.

Übrigens, ich hab ja an sich durchaus einen Draht zu Strom und auch zu Motorsport. Ich war mal ein Jahr lang in der Lehre als Autoelektriker, ein ehrenwerter Job. Aber gut, dann war die DDR weg und ich hab die Chance ergriffen, nochmal neu angefangen. Etwas Grundlagenwissen im Stromthema blieb aber. So glaube ich beileibe nicht, dass massive Verbesserungen bei Motoren in Sachen Wirkungsgrad und bei den Akkus in Sachen Energiedichte innerhalb der oft beschworenen zehn Jahre doppelte Reichweiten bringen, angefeuert durch die Innovationskraft und die Verkaufszahlen von Pedelcs. Sorry.

# Wo fährt man eigentlich ein "Race-Pedelec" wie das Spitzing M 1 R mit beworbenen 75km/h Topspeed? Uwe Buchholz meint, dass passt nicht in den Rahmen von Mountainbikerennen.

Trotzdem oder gerade deshalb: Die Entwicklung spezieller Events für diese e-affine-Klientel kann durchaus eine Aufgabe voller Spannung sein und damit reizvoll. Auch für mich. Ein kurzes Beispiel aus den Neunzigern, warum aus meiner Erfahrung einfach einen Trend mitnehmen im Eventbereich nicht funktioniert. Beim Uphill in Klingenthal wollte man auch einen Downhill integrieren. Als Bonus! Cool. Nur für die Besten. Ermittelt beim Uphill eine Stunde vorher. Das war klar der falsche Weg, sowohl für Hoch- wie Runterfahrer. Die einen werden sich über die „Belohnung“ nicht freuen und die Anderen über den Preis mosern. Ich versuchte das auch dem Veranstalter klar zu machen. Damals hieß das übrigens für mich noch: einen Brief schreiben oder an den Münzfernsprecher gehen.

Aber auch wenn ich Pedelec-Rennen nicht grundsätzlich verurteile, ich bleibe von einem überzeugt: auch wenn Juristen eine Gleichstellung in Sachen Haftpflicht und StVO eingerichtet haben, dann können in der Praxis, ja vor allem der Sportpraxis, MTBs und Pedelecs bis 25kmh/250W noch lange nicht gleich behandelt werden bzw. sie und ihre Nutzer in einen Event harmonieren. Das betrifft von Regelwerk über Streckenauswahl bis Infrastruktur fast alle Bereiche. Ein Spagat. Uns gelingt heute schon nicht richtig gut mal alle MTB Fahrer in ein Event zusammenzupacken.

E-Freaks – Gebt einfach euren elektrischen Babys einen coolen Namen und wir bleiben Freunde. Aber glaubt nicht, der Name eMTB trifft es, auch wenn ihr den grad noch cool findet. Sagt Mt.-E-Bike, Cross-E-Mofa, Mountain Pedelec oder meinetwegen auch MTP. Ehrlicher wäre jeder. Kling nicht cool? Bemüht euch drum. selbst was zu finden und fahrt nicht Trittbrett auf der MTB-Kultur. Ihr merkt doch schon jetzt, dass ihr nicht einfach das Gleiche machen wollt/könnt wie mit einem MTB, bloß mit +250 W. Auch ein Vortrag beim Mountainbike Tourismus Forum machte mir das deutlich. Vor allem ging es um Forderungen: Ladestation ausweisen, Rückholservice anbieten, größere Schilder wegen höherem Speed usw.

Eure Bedürfnisse und Freuden, lieber UpHill-Flowter, eure Erlebnisse und Limitierungen sind und bleiben andere.

PS: In Deutschland hat die Enduro-One Serie bereits letztes Jahr eine derartige Klasse angeboten. Die erste Resonanz war mickrig bis nicht vorhanden. Einer der ersten eingeschriebenen Fahrer war ein Mitarbeiter eines führenden Herstellers. Für die Specialized SRAM Enduro Series kenne ich derzeit keine Pläne, derartiges zu integrieren. Allein die rechtliche Überlegungen betreffs Fahrstrecken etc. sprechen dagegen. Es ist schwer genug Landeigentümer für Geländeradfahren mit Wadenschmalz pur ins Boot zu holen.

*Si oder Simon Paton ist British Cycling Commissaire und Mitglied der British Cycling Gravity Commission, bekannt ist er vor allem als Event Director der British Downhill Series. Jüngst hat er eine British Enduro Series angekündigt. Unter dem Namen wollen aber zwei konkurrierende Unternehmen Cups anbieten.


Uwe Buchholz ist als Sprecher und Journalist bei Mountainbikevents, aber auch Motocross und „Benzin“-Enduro seit Ende der Neunziger in Deutschland unterwegs. Mountain-Pedelecs von Haibike (X-Duro) und Cube (Stereo) aber auch das KTM E-Freeride Motorrad ist er schon Probe gefahren. Er verneint nicht, dass Pedelecs ein spannendes Verkehrsmittel und Mt.-Pedelecs ein gutes Werkzeug zum Beispiel für Video-/Fotografen sind und dass sie Spaß machen können. Er vergleicht sie aber gern mit Alkopops: nicht Limo, obwohl es so schmecken will, und auch kein rechter „Drink“. Unklar bleibt für ihn die Frage, warum ein und dieselbe Branche MTBs mit dem Argument, dass im Wald keine STVO gilt, ohne Reflektoren und Licht anbietet und Pedelecs für den Wald mit dem Argument pusht, dass sie in der STVO Fahrräder sind und das dann ja wohl auch im Wald zu gelte. Licht und Co. fehlt dennoch meistens. Übrigens – Hybrid-Motorsport hat er auch schon betrieben: beim Simson-Motocross in der DDR kam man in der Klasse „Serientechnik“ manche Berge nur hoch wenn man sich zusätzlich anschob, da waren schnelle Beine rennentscheidend…

Der Beitrag E-Enduro: Mountainbike-Rennen mit Spannung? Ein Kommentar ist auf MTB-News.de erschienen.


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